
Vom Garn zum Kunsthandwerk: Die Entstehung eines handgefertigten Teppichs
Ein Teppich ist viel mehr als nur ein Stück Stoff unter unseren Füßen. Er erzählt Geschichten, trägt Jahrhunderte an Tradition in sich und wird mit beeindruckender Geduld gefertigt – Schritt für Schritt, Knoten für Knoten.
In diesem Blog-Beitrag nehmen wir Dich mit auf eine Reise durch den gesamten Entstehungsprozess eines handgemachten Teppichs.

1. Die Auswahl der Materialien
Bevor überhaupt ein Knoten geknüpft oder ein Faden gewebt wird, steht die Auswahl der richtigen Materialien an. Sie entscheiden über Qualität, Langlebigkeit und Charakter des Teppichs.
🐑 Schafwolle
🌱 Viskose bzw. Bambusseide
🌾 Baumwolle
🐛Seide
🟡 Jute
🌿 Hanf
In unserem Blog-Beitrag: Materialien und Färbung lernst du mehr zu den Vorteilen der einzelnen Materialien und erfährst, wie das Garn mit Naturmaterialien gefärbt wird.

2. Gewebt oder geknüpft ?
Die ersten handgemachten Teppiche entstanden in Zentral-Asien, aus recht pragmatischen Gründen. Nomaden lebten mit ihren Schaf-Herden in den Bergen und webten, aus der Wolle ihrer Herden, die ersten Teppiche, auf der Suche nach Komfort, Wärme, oder auch Schatten. Die Teppiche boten eine wärmende Isolierung auf den kalten Zelt-Böden und machten das Sitzen und Essen auf dem Boden gemütlich. An sehr sonnigen Tagen wurden Teppiche jedoch auch als Zelt-Behang verwendet, zum Schutz vor der heißen Sonne.
Doch schon bald wurden sie mehr als nur ein praktischer Begleiter – sie entwickelten sich zu wertvollen, dekorativen Kunstwerken, die Schönheit, Tradition und Handel miteinander verbanden.
Handgemachte Teppiche lassen sich grundsätzlich in gewebte und geknüpfte Teppiche unterteilen.
Inzwischen gibt es zwar einige weitere Herstellungsarten (z.B Tufting oder Loom), die sich als Antwort auf die sinkende Erwartung hinsichtlich der Langlebigkeit und Qualität eines Teppichs entwickelt haben. Wir fokussieren uns hier jedoch auf die beiden ursprünglichsten und traditionellsten Teppich-Arten.
Mit dem richtigen Material in der Hand, beginnt die eigentliche Herstellung. Dabei gibt es zwei zentrale Techniken: Das Weben und das Knüpfen
Das Teppichweben
Das Teppichweben gehört zu den ältesten Methoden der Teppichherstellung.
Das Weben ist im Vergleich zum Knüpfen, deutlich weniger material- und zeitaufwendig.
Daher waren gewebte Teppiche schon sehr früh weit verbreitet und gelten als Vorläufer.

Beim Weben werden zunächst die Kettfäden – die vertikalen Grundfäden, die dem Teppich Festigkeit geben – auf einem Webstuhl gespannt.
Danach wird der Schussfaden – der Faden, der das Muster und die Stabilität des Teppichs bestimmt – von Hand abwechselnd über und unter die Kettfäden geführt.

Ein besonderes Merkmal von handgewebten Teppichen ist, dass sie keinen Flor haben – das bedeutet, anders als handgeknüpfte Teppiche, haben sie keine hochstehende, flauschige Oberfläche, sondern sind eher flach und rau in der Haptik.
Je nach Provinz und Verwendungszweck des Teppichs, haben sich verschiedene Webarten entwickelt.
Beim traditionellen Weben, entsteht ein flacher, fester Flor, der beidseitig nutzbar ist, da Vorder- und Rückseite exakt gleich aussehen.
Genau so entsteht ein Kelim Teppich - bestimmt hast auch Du schon einmal davon gehört!
Neben dem wohl bekanntesten Web-Teppich-Klassiker, gibt es einige weitere tolle gewebte Teppicharten, wie zum Beispiel Aubusson / Gobelin, oder Soumak Teppiche.
Das Knüpfen
Handgeknüpfte Teppiche werden auf einem speziellen Rahmen, dem sogenannten Knüpfstuhl hergestellt. Dieser wird, abhängig von der Breite, die der Teppich ein mal haben soll, jedes mal individuell vorbereitet.

Der Florfaden wird in die Kettfäden eingeknotet – jeder Knoten ein Pixel im entstehenden Muster. Ist eine Reihe fertig, wird der Schussfaden eingezogen und fest mit einem Metallkamm angedrückt.Genau wie beim Weben, werden zunächst die vertikalen Kettfäden auf dem Knüpfstuhl eingespannt. Dabei ist es sehr wichtig, dass sie straff bleiben, damit der Teppich später keine Wellen oder Unebenheiten bekommt.
Nun kommt der wichtigste Schritt:
Der eigentliche Florfaden – also das, was später die Oberfläche des Teppichs bildet – wird per Hand eingeknotet. Jeder einzelne Knoten wird festgezogen und so entsteht, Knoten für Knoten, das gewünschte Muster, exakt nach Vorlage, oder auch ganz frei improvisiert.
Sobald eine Reihe vollständig geknotet wurde, wird der Schussfaden eingewebt - abwechselnd, über und unter den gespannten Kettfäden hindurchgeführt und anschließend mit einem Metallkamm dicht an die Knoten gedrückt. So wird sichergestellt, dass die Knoten gerade und fest an der richtigen Stelle sitzen und eine dichte Struktur entsteht. Der Kettfaden gibt den Knoten, beziehungsweise dem entstehenden Teppich, zusätzlichen Halt und Festigkeit.
Je nach Provinz, Design und Verwendungszweck, haben sich unterschiedliche Knotenarten entwickelt.
In unserem Blog-Beitrag: Alles rund ums knüpfen haben wir zu diesem Thema bereits die Knotenarten, -techniken und ihre Besonderheiten beschrieben.
3. Das Design – Zwischen Tradition und Moderne
Früher konnte man das Herkunftsland, die Stadt oder sogar das Dorf eines Teppichs anhand bestimmter Muster und Symbole bestimmen.
Traditionell wurden Muster auf speziellen Vorlagen – sogenannten Musterplatten – von Hand vorgezeichnet und anschließend geknüpft und oftmals von Generation zu Generation weitergegeben.
Primitivere Teppiche der Nomaden, wie zum Beispiel ein Gabbeh, wurden auch ganz frei nach individueller Kreativität ohne Knüpfvorlage geknüpft.
Heute hingegen, werden Teppichmuster meist digital entworfen, gedruckt und als Knüpfvorlage hinter den Knüpfstuhl montiert.

Hier haben wir bereits ausführlich über die geläufigsten Muster und ihre Bedeutungen geschrieben.
4. Der Feinschliff – Jetzt zeigt sich die wahre Schönheit
Nachdem der Teppich vom Knüpfstuhl geschnitten wird, werden die Kanten gekettelt und die Fransen verknotet. Somit wird verhindert, dass sich der Teppich wieder aufribbelt.
Das Finishing ist der letzte und wichtigste Schritt der Herstellung eines Teppichs, dessen Relevanz aber häufig verkannt wird.
Erst jetzt kommt das wahre Gesicht, bzw. die wahre Schönheit des Teppichs zum Vorschein.
Der Flor wird zunächst gleichmäßig auf die gewünschte Florhöhe geschoren, denn beim Knüpfen wird das Garn, um es verknoten zu können, recht lang gelassen.
Der Teppich wird anschließend mindestens ein mal mit rückfettender Naturseife gewaschen.
Anschließend wir der Teppich zum Trocknen und Fixieren der Farben in die Sonne gelegt.

Im letzten Schritt werden, abhängig von Design und Stil, gewisse Teile des Flors von Hand, mit einer Schere beschnitten. So werden Muster-Akzente hervorgehoben und es entsteht eine faszinierende Haptik und Struktur im Flor des Teppichs.
Diese besondere Art des Finishing, kannst Du vor allem bei unseren Designer Teppichen entdecken.


